Wie man eine Ausschreibung für Rechtsdienstleistungen in der Tschechischen Republik durchführt
Rechtliches Minimum für öffentliche Auftraggeber
Nach tschechischem Recht muss ein öffentlicher Auftraggeber nicht immer eine Ausschreibung für Rechtsdienstleistungen durchführen. Die Vertretung in einem Rechtsstreit ist gesetzlich ausgenommen. Die laufende Rechtsberatung über 2 Mio. CZK (ca. 82 300 EUR) ohne MwSt. muss jedoch bereits im Wettbewerb vergeben werden. Eine Auswahl allein nach dem niedrigsten Preisangebot führt zudem häufig zur Wahl eines wenig qualifizierten Anwalts und zu einem verlorenen Rechtsstreit. Wir zeigen Ihnen, wie Sie das Vergabeverfahren so gestalten, dass es vor dem Amt für den Schutz des wirtschaftlichen Wettbewerbs (ÚOHS) Bestand hat und Ihnen einen wirklich qualifizierten Partner bringt.

Die besondere Stellung von Rechtsdienstleistungen im System der öffentlichen Auftragsvergabe
Rechtsdienstleistungen sind keine gewöhnliche Ware. § 129 des tschechischen Gesetzes über die Vergabe öffentlicher Aufträge (Gesetz Nr. 134/2016 Slg., im Folgenden „ZZVZ“) ordnet die laufende Rechtsberatung den sogenannten sozialen und anderen besonderen Dienstleistungen zu. Diese Regelung ist weniger formalisiert als das klassische Verfahren oberhalb der Schwellenwerte.
In der Praxis bedeutet das: Schreibt eine öffentliche Stelle ein Verfahren für Rechtsdienstleistungen in der vereinfachten Regelung aus, muss sie nicht alle Fristen und formalen Schritte des offenen Verfahrens strikt einhalten.
Diese Flexibilität ist einerseits ein Vorteil, bedeutet andererseits aber eine größere Verantwortung. Missbraucht der Auftraggeber diesen Spielraum und gestaltet er die Bedingungen diskriminierend, droht ihm ein Bußgeld von bis zu 10 % des Auftragswerts.
Achtung auf die Ausnahme nach § 29 Buchst. k) ZZVZ. Entscheidend ist, dass bestimmte Rechtsdienstleistungen vollständig vom Anwendungsbereich des Gesetzes ausgenommen sind. Dies betrifft insbesondere die Vertretung eines Mandanten in Gerichts-, Schieds- oder Verwaltungsverfahren sowie die Beratung, die mit einem solchen Verfahren unmittelbar zusammenhängt.
Schwellenwerte und Bestimmung des rechtlichen Charakters des Vergabeverfahrens
Vor der Vorbereitung des Auftrags müssen Sie den geschätzten Auftragswert korrekt bestimmen, denn er entscheidet über die anwendbare Regelung. Hier kommt es häufig zu Fehlern bei den Zahlen.
- Öffentlicher Auftrag geringen Umfangs: Der Schwellenwert für Dienstleistungen liegt bei 3 000 000 CZK (ca. 123 500 EUR) ohne MwSt. Ist der geschätzte Wert Ihres Auftrags gleich oder niedriger als dieser Betrag, müssen Sie kein Vergabeverfahren nach dem ZZVZ durchführen. Die Pflicht zur Einhaltung der Grundsätze der Transparenz, der Gleichbehandlung und des Diskriminierungsverbots bleibt jedoch bestehen. Für die praktische Umsetzung dieser Grundsätze in den Vergabeunterlagen ist Unterstützung im Bereich öffentliche Aufträge hilfreich.
- Regelung unterhalb und oberhalb der Schwellenwerte: Rechtsdienstleistungen fallen in die Kategorie der besonderen Dienstleistungen. Entscheidend ist hier der unionsrechtlich festgelegte Schwellenwert von 750 000 EUR (nach aktuellem Kurs ca. 18–19 Mio. CZK).
Auch in der vereinfachten Regelung müssen Sie eine Bekanntmachung über die Einleitung des Verfahrens veröffentlichen und eine angemessene Frist für die Vorbereitung des Angebots gewähren.
Wahl der Verfahrensart: offenes Verfahren oder vereinfachte Regelung
Für Rechtsdienstleistungen (sofern sie nicht unter die Ausnahme nach § 29 fallen) stehen Ihnen grundsätzlich zwei Hauptansätze zur Verfügung:
Das offene Verfahren ist streng formalisiert. Der Auftraggeber fordert eine unbegrenzte Zahl von Anbietern auf. Sie müssen die Vergabeunterlagen auf dem Beschafferprofil veröffentlichen, die gesetzlichen Mindestfristen einhalten und ausschließlich elektronisch kommunizieren. Ein Verfahrensfehler lässt sich vor der ÚOHS leicht angreifen. Die Grundregeln und typischen Risiken bei der Beschaffung anwaltlicher Leistungen fasst auch der Beitrag Vergabe öffentlicher Aufträge für Rechtsdienstleistungen: Grundprinzipien ausführlicher zusammen.
Die vereinfachte Regelung (§ 129 ZZVZ) ist für Rechtsdienstleistungen am besten geeignet. Der Auftraggeber legt in den Vergabeunterlagen eigene Regeln für den Verfahrensablauf fest, die jedoch die Grundprinzipien nicht verletzen dürfen. So muss er beispielsweise nicht zwingend die Öffnung der Angebote zu einem bestimmten Zeitpunkt in Anwesenheit einer Kommission verlangen, sofern er dies nicht selbst festlegt.
In der Praxis wird für Rechtsdienstleistungen die vereinfachte Regelung nachdrücklich empfohlen, da sie eine bessere qualitative Bewertung ermöglicht und die Besonderheiten des Rechtsberatungsmarktes berücksichtigt.
Definition des Auftragsgegenstands: Was genau beschaffen Sie?
Die Festlegung des Leistungsgegenstands ist der Grundstein des Erfolgs. Auftraggeber schreiben „Rechtsdienstleistungen“ oft zu allgemein aus. Rechtsdienstleistungen umfassen verschiedene Spezialisierungen: Vergaberecht, IT-Recht, Prozessführung, Arbeitsrecht oder Gesetzgebung.
Das Ergebnis ist häufig die Wahl des billigsten Anbieters, der jedoch für die jeweilige Spezialisierung nicht über ausreichende Kapazitäten verfügen muss.
Wir empfehlen, den Gegenstand beispielsweise so zu beschreiben: „Erbringung von Rechtsdienstleistungen in Form laufender Beratung im Bereich des Vergaberechts und des Baurechts im geschätzten Umfang von 50 Stunden pro Monat.“ So können die Bieter ihre Kapazitäten richtig kalkulieren. Umfasst die Leistung auch die laufende Arbeit mit Vertragsbedingungen, ist es sinnvoll, an die Unterstützung im Bereich Verträge und Verhandlungen anzuknüpfen.
Eignung der Anbieter: Vorsicht vor Diskriminierung
Die Festlegung der Eignungsanforderungen ist ein Minenfeld. Nach § 73 ff. ZZVZ weist der Anbieter seine Zuverlässigkeit und Eignung nach. Bei Rechtsdienstleistungen betreffen die häufigsten Fehler die technische Leistungsfähigkeit (§ 79). Auftraggeber verlangen oft:
- Unverhältnismäßigen Umsatz: Einen Umsatz von 20 Mio. CZK (ca. 823 000 EUR) bei einem Auftrag im Wert von 2 Mio. CZK zu verlangen, ist diskriminierend, und die ÚOHS ahndet ein solches Vorgehen mit Bußgeldern.
- Eine bestimmte Zahl von Mitarbeitern: Eine Anforderung wie „die Anwaltskanzlei muss mindestens 20 Juristen beschäftigen“ ist bei gewöhnlichen Aufträgen unbegründet. Auch eine kleinere Boutique-Kanzlei kann erstklassigen Service bieten.
- Spezifische Referenzen: Referenzen zu verlangen, die den Auftragsgegenstand bis ins letzte Detail abbilden, ist eine verdeckte Diskriminierung. In der Praxis tritt eine ähnliche „Überqualifizierung“ der Anforderungen auch bei personal- und arbeitsrechtlichen Gestaltungen auf, wie der Beitrag Flexible Arbeitsformen: Wann es keine Arbeit mehr ist, sondern ein rechtliches Problem erläutert. Die Referenzen müssen der Komplexität des Auftrags angemessen sein. Geht es in der Praxis um strittige Eignungsanforderungen oder um anschließende Rügen und Nachprüfungsverfahren, empfiehlt es sich, das Vorgehen mit dem Team für Handels- und Gerichtsstreitigkeiten abzustimmen.
- Dauer der Berufserfahrung: Die Anforderung „ein Teammitglied muss 15 Jahre Berufserfahrung haben“ wird häufig als unverhältnismäßig bewertet. Die Dauer der Berufserfahrung allein garantiert keine Qualität.
Richtig festgelegte Eignungsanforderungen sind dem Gegenstand angemessen, nicht diskriminierend und stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Auftragsgegenstand.
Zuschlagskriterien: Preis oder Qualität
Das Gesetz bevorzugt die Bewertung nach der wirtschaftlichen Günstigkeit. Bei Rechtsdienstleistungen, die eine in hohem Maße intellektuelle Tätigkeit sind, sollte der Preis nicht das einzige Kriterium sein. Für Überlegungen, wie die Qualität bewertet und die Zusammenarbeit so gestaltet werden kann, dass nicht allein der Stundensatz entscheidet, kann auch der Artikel Wie man eine Anwaltskanzlei für eine Pauschalzusammenarbeit findet und auswählt dienen.
Empfohlene Kombination von Kriterien für Rechtsdienstleistungen:
- Angebotspreis (Gewichtung 40–50 %) – in der Regel der Stundensatz.
- Erfahrung des Projektteams (Gewichtung 30–40 %) – Bewertung konkreter Erfahrungen der Schlüsselexperten über die Mindesteignung hinaus.
- Arbeitsmethodik/Qualität der Lösung (Gewichtung 10–20 %) – z. B. Ausarbeitung eines Muster-Rechtsgutachtens.
Auftraggeber können sogar einen Festpreis bestimmen und ausschließlich die Qualität bewerten. Das eignet sich dort, wo das Budget feststeht und der beste Experte gesucht wird. Vorsicht bei subjektiven Kriterien wie „Gesamteindruck“ – die Kriterien müssen transparent und objektiv überprüfbar sein.
Transparenz und Digitalisierung: Pflicht, keine Wahl
Die Vergabe öffentlicher Aufträge ist in der Tschechischen Republik vollständig digitalisiert. Die gesamte Kommunikation zwischen Auftraggeber und Anbieter muss elektronisch erfolgen, idealerweise über ein zertifiziertes elektronisches Instrument (z. B. NEN, E-ZAK, TenderArena).
Pflichten des Auftraggebers:
- Veröffentlichung der Vergabeunterlagen auf dem Beschafferprofil am Tag der Einleitung des Verfahrens.
- Gewährleistung eines uneingeschränkten Fernzugriffs auf die Unterlagen.
- Kommunikation ausschließlich über das elektronische Instrument (nicht per E-Mail außerhalb des Systems).
Die Nichteinhaltung der elektronischen Form oder die verspätete Veröffentlichung von Unterlagen sind häufige Gründe für die Aufhebung des Verfahrens durch die ÚOHS.
Interessenkonflikt
Der Interessenkonflikt ist auch im Jahr 2026 ein aktuelles Thema. Hat eine bestimmte Anwaltskanzlei an der Vorbereitung der Vergabebedingungen mitgewirkt, darf sie sich nicht als Bieter am Verfahren beteiligen, wenn dadurch eine Wettbewerbsverzerrung entstünde, die sich nicht auf andere Weise beheben lässt.
Der Auftraggeber muss von den Anbietern eine eidesstattliche Erklärung über das Nichtbestehen eines Interessenkonflikts verlangen und selbst prüfen, ob Personen auf seiner Seite (Bewerter, Verfahrensadministratoren) nicht durch Verbindungen mit den Bietern verflochten sind.
Stillhaltefrist und Vertragsunterzeichnung
Nach der Auswahl des Anbieters und dem Versand der Mitteilung über die Auswahl läuft die sogenannte Stillhaltefrist (§ 246 ZZVZ). Innerhalb dieser Frist darf der Auftraggeber den Vertrag nicht abschließen.
- Bei gewöhnlichen Verfahren beträgt diese Frist 15 Tage ab Zustellung der Mitteilung über die Auswahl.
- Werden Rügen erhoben, verlängert sich die Frist bis zur Zustellung der Entscheidung über die Rügen.
Der Verstoß gegen das Verbot, den Vertrag innerhalb der Stillhaltefrist abzuschließen, gehört zu den schwerwiegendsten Verwaltungsdelikten; es drohen ein Verbot der Vertragserfüllung und ein hohes Bußgeld.
Integritätspakt: Verringerung von Korruptionsrisiken
Der Integritätspakt ist kein Rechtsbegriff des ZZVZ, sondern ein vertragliches Instrument (häufig von Organisationen wie Transparency International gefördert), mit dem sich Auftraggeber und Bieter zur Einhaltung ethischer Standards über das gesetzliche Maß hinaus verpflichten. Bei bedeutenden Aufträgen für Rechtsdienstleistungen kann seine Einführung die Glaubwürdigkeit des Verfahrens stärken und von unlauteren Praktiken abschrecken.
Die häufigsten rechtlichen Fehler und die Rechtsprechung
Die Entscheidungspraxis der ÚOHS und der Verwaltungsgerichte zeigt folgende wiederkehrende Fehler:
- Fehlerhafte Bestimmung des geschätzten Auftragswerts: Zweckgerichtete Aufteilung des Auftrags in kleinere Teile unter 3 Mio. CZK, um das Gesetz zu umgehen.
- Diskriminierende Anforderungen: Die Anforderung „Kanzleisitz des Anwalts am Sitz des Auftraggebers“ ist unzulässig (Verletzung des freien Dienstleistungsverkehrs in der EU).
- Ungewöhnlich niedriger Angebotspreis (§ 113): Auftraggeber vergessen zu prüfen, ob der Stundensatz nicht ungewöhnlich niedrig ist.
- Wesentliche Vertragsänderung (§ 222): Nach Vertragsunterzeichnung darf der Preis nicht beliebig erhöht oder der Leistungsumfang ohne neues Verfahren geändert werden, sofern keine Ausnahme nach § 222 ZZVZ vorliegt.
Verhältnis zum EU-Recht
Das tschechische ZZVZ setzt die europäische Richtlinie 2014/24/EU um. Für Auftraggeber bedeutet dies, dass sie bei Aufträgen oberhalb der Schwellenwerte (bei Rechtsdienstleistungen über 750 000 EUR) auch ausländischen Anwälten gleichen Zugang gewähren müssen. Die Anforderung „Kenntnis des tschechischen Rechts“ ist legitim, die Anforderung „tschechische Staatsangehörigkeit“ wäre hingegen diskriminierend.
Dynamisches Beschaffungssystem (DNS)
Für Auftraggeber, die Rechtsdienstleistungen regelmäßig beschaffen, ist die Einrichtung eines dynamischen Beschaffungssystems (§ 138 ZZVZ) eine effiziente Alternative. Das DNS ist ein vollständig elektronisches Verfahren, dem während seiner gesamten Laufzeit neue geeignete Anbieter beitreten können.
Der Auftraggeber richtet das DNS (als Verfahren oberhalb der Schwellenwerte) ein und vergibt anschließend die einzelnen konkreten Aufträge innerhalb des DNS durch Aufforderung aller aufgenommenen Anbieter. Es ist eine flexible und schnelle Lösung für wiederholte Beschaffungen von Rechtsdienstleistungen.
Typische Risiken und ihre praktischen Lösungen
|
Risiko |
Gesetzeskonforme Lösung |
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Unverhältnismäßige Eignungsanforderungen |
Einen Umsatz höchstens in Höhe des Doppelten des geschätzten Auftragswerts oder einen angemessen niedrigeren verlangen. |
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Intransparentes Verfahren |
Ein zertifiziertes elektronisches Instrument (NEN) nutzen und sämtliche Unterlagen rechtzeitig veröffentlichen. |
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Ungewöhnlich niedriger Preis |
Zuschlagskriterien mit Schwerpunkt auf Qualität (Erfahrung des Teams) festlegen und das Instrument der Prüfung ungewöhnlich niedriger Angebotspreise konsequent anwenden. |
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Vorzeitige Vertragsunterzeichnung |
Die Stillhaltefrist von 15 Tagen (bei Rügen gegebenenfalls länger) strikt einhalten. |
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Interessenkonflikt |
Sicherstellen, dass der Verfahrensadministrator weder kapitalmäßig noch personell mit den Bietern verflochten ist. |
Fazit
Die Vergabe von Rechtsdienstleistungen erfordert einen Ausgleich zwischen der verfahrensrechtlichen Strenge des Gesetzes und der besonderen Natur anwaltlicher Arbeit. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der richtigen Bestimmung des geschätzten Auftragswerts, in nicht diskriminierenden Eignungsanforderungen und in der Bewertung der Qualität, nicht nur des Preises.
Wenn Sie sich bei der Festlegung der Parameter unsicher sind oder Rügen befürchten, ist es stets sicherer, das Vorgehen mit Experten für Vergaberecht abzustimmen. Die Anwaltskanzlei ARROWS verfügt über ein Team von Spezialisten für das ZZVZ, die Ihnen helfen, das Verfahren so zu gestalten, dass es vor der ÚOHS Bestand hat. Sie erreichen uns unter beratung@arws.cz.
Über den Autor
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